E-Autos, Bond, Neu Kapitalismus (Zeit 2012 – Nr. 44)

Deutsche Version 1:

album-art

00:00

Deutsche Version 2:

album-art

00:00

Englische Version:

album-art

00:00

Svensk Version:

album-art

00:00

Schreiben Aufgabe 1ย 


Im Internet finden Sie ein Diskussionsforum zum Thema โ€žVerantwortung in modernen Gesellschaften”. Nehmen Sie in einem Forumsbeitrag von ca. 250 Wรถrtern Stellung zu folgender Frage:

Sind problematische Einzelpersonen โ€“ etwa Dopingsรผnder, rรผcksichtslose Manager oder autoritรคre Akteure โ€“ vor allem Ausdruck individuellen Versagens oder vielmehr Symptome kranker Systeme?


Einzeltรคter oder krankes System โ€“ wer trรคgt wirklich Verantwortung?

In jรผngster Zeit erschรผttern immer wieder Skandale die ร–ffentlichkeit, sei es im Spitzensport, in der Konzernwelt oder in der Politik. Ein Podcast hat kรผrzlich die provokante Frage aufgeworfen, ob vorrangig der einzelne Tรคter oder vielmehr das ihn umgebende ร–kosystem auf die Anklagebank gehรถre. Diese Debatte verdient meines Erachtens eine differenzierte Auseinandersetzung.

Zugunsten der systemischen Sichtweise spricht ein eindrรผckliches Bild: Treiben tote Fische an der Oberflรคche, sollte man nicht die Fische, sondern das vergiftete Wasser untersuchen. So konnte Lance Armstrongs industriell organisierter Dopingbetrug nur deshalb derart globale Dimensionen annehmen, weil Verbรคnde und Sponsoren systematisch wegschauten, solange die Rendite stimmte. Ebenso sind die in einer โ€žAnleitung zum Schweinsein” beschriebenen Schikanen gegen unliebsame Mitarbeiter keine moralischen Entgleisungen Einzelner, sondern kalt kalkulierte Werkzeuge zur Kostenoptimierung, die von oben gefordert und durch Wegsehen legitimiert werden.

Demgegenรผber gilt es zu bedenken, dass eine ausschlieรŸlich systemische Betrachtung die persรถnliche Verantwortung zu schmรคlern droht. Wer betrรผgt, bleibt fรผr seine kriminelle Energie verantwortlich, unabhรคngig davon, wie verlockend die Anreize seines Umfelds gestaltet sind. Auch im scheinbar paradiesischen Silicon Valley entscheidet letztlich jeder Mitarbeiter selbst, wie viel Lebenszeit und Identitรคt er einem Konzern รผberlรคsst.

Meiner Auffassung nach schlieรŸen sich diese Perspektiven jedoch keineswegs aus. Im Gegenteil: Wer das ermรถglichende System mit anklagt, entlastet das Individuum nicht, sondern macht die Analyse umso gnadenloser. Andernfalls wird zwar der gestรผrzte Held aussortiert, doch das unverรคnderte Geschรคftsmodell bringt lรคngst den nรคchsten Armstrong hervor โ€“ und damit wรคre wenig gewonnen.

(233 Wรถrter)


Kurzanalyse der prรผfungsrelevanten C1-Stilmittel

Formelhafte Wendungen fรผr Stellungnahmen: โ€žmeines Erachtens”, โ€žmeiner Auffassung nach”, โ€žes gilt zu bedenken”, โ€žzugunsten โ€ฆ spricht”

Konnektoren auf C1-Niveau: sei es โ€ฆ oder, zugunsten, demgegenรผber, im Gegenteil, andernfalls, unabhรคngig davon, solange

Konjunktiv I/II: โ€žgehรถre” (indirekte Rede), โ€žwรคre wenig gewonnen” (Irrealis)

Erweiterte Partizipialattribute: โ€ždie in einer โ€šAnleitung zum Schweinsein’ beschriebenen Schikanen”, โ€ždas ihn umgebende ร–kosystem”, โ€ždas ermรถglichende System”

Nominalisierungen: Auseinandersetzung, Kostenoptimierung, Wegsehen, Entgleisungen

Passivkonstruktionen: โ€žgefordert und โ€ฆ legitimiert werden”, โ€žwird โ€ฆ aussortiert”